Alltags-Lotte,  Montagsmotivation

Montagsmotivation: Dinge, die ich bei meinem Kieferchirurgen gelernt habe

Der Kieferchirurg schaut mich an. „Ja, die müssen raus. Alle vier. Machen wir auf einmal. Was soll das denn“ Und ich so mich innerlich von jeglicher Glückseligkeit verabschiedend „Ahhhhh“ Er. „Wirste sediert und wir machen das ganz entspannt. Alles nicht schlimm. Hast du Schmerzen- nimmst du Schmerzmittel. Wirst du grün und blau – machst du halt ein schickes Foto. Und nur Brei musst du auch nicht essen“ Ich (skeptisch) „Ahhhhh“ Er: „Wir zwei machen das ganz entspannt. Musst halt jemanden als Begleitung dabei haben. Wer kommt mit?“ Ich: „Ähhhh vielleicht mein Partner“ Er: „Kennt er dich? Also du wirst nämlich witzig“ Uuups. Was soll’s. Er: „Alles gut. Nach einer Woche ziehen wir die Fäden und du hast nie wieder ein Problem“
Dinge, die ich von meinem Kieferchirurg lernen kann: 

  1.  Leidenschaft. Ich: „Das ist irgendwie Ihr Hobby – Zähne ziehen“ Er – strahlend – „Ja! Ich mache das wirklich gerne“
  2.  Humor hilft gegen Angst. Wirklich ich bin ein Angsthase, wenn es ums Zähne ziehen und schmerzen geht. Wobei es mehr das Geräusch ist, das mich stört als der Schmerz. Mein Chirurg hatte jedoch einen so entwaffnenden Humor, dass ich kurz vergessen habe ängstlich zu sein.
  3. Zuversicht rules. Wahrscheinlich ist es total leicht Weisheitszähne zu ziehen, wenn man Kieferchirurg ist. Aber der Arzt bei dem ich zuvor war gab mir irgendwie nicht so das Gefühl als sei das alles schon ok. Er war auch nicht direkt skeptisch, aber die lockere Zuversicht nach dem Motto „Wir machen das ganz entspannt und haben dabei einfach ein bisschen Spaß“ war jetzt auch nicht so seine Welt. Der Chirurg bei dem ich jetzt war, hat mit völliger Selbstverständlichkeit erzählt, dass wir eine schöne Zeit haben werden und alles entspannt wird. Kein großes Drama.
  4. Alles kein Weltuntergang. Siehe 3. was er mir immer wieder unmissverständlich klar gemacht hat war: das geht vorbei. Es ist ein ganz begrenzter Zeitraum und dann ist alles gut. Und selbst in diesem Zeitraum gibt es Schmerzmittel und Hilfe. Ich prokastiniere das Ganze schon eine Weile, weil ich Angst hatte. Noch einmal ganz deutlich zu hören, dass die Welt nicht untergeht fand ich großartig 
Was lernen wir daraus? Kommunikation rules. Ich bin mir sicher, fachlich unterscheiden sich die beiden Chirurgen bei denen ich war allerhöchstens marginal. Sie beide wurden mir ausdrücklich von Fachleuten empfohlen. Worin sie sich unterschieden haben war die Kommunikation. Tatsächlich ist meine Angst und Sorge wirklich besser geworden und ich habe einen Termin für die OP gemacht. Mehr als ich bei dem andern je getan hätte. 
Was wir in Gesundheitsberufen nämlich häufig vergessen ist, dass es schon einen Unterschied macht wie wir reden. Vor kurzem hatte ich einen kleinen ambulanten Eingriff und obwohl die Ärztin jetzt nicht so humorvoll ist, hat auch sie in der Kommunikation alles richtig gemacht. Auch da hatte ich ein wenig Angst, aber sie hat mir alles ruhig erklärt und gesagt was sie tut. Großartig.
Nächstes Beispiel: Vor einiger Zeit kam ich in die Notaufnahme. Auf diese Erfahrung hätte ich dankend verzichten können. Ich hatte Schmerzen und Angst und war insgesamt ziemlich aufgelöst. Die Ärztin in der Notaufnahme brachte mich mit ihrer fröhlichen und freundlichen Art jedoch schnell wieder zurück ins Hier und Jetzt („Beim nächsten Mal kommen Sie gleich hierher ohne Umweg über den kassenärztlichen Notdienst!“) Sie erklärte mir genau was sie wann wie warum tat, welchen Sinn das hatte und was man auf den Aufnahmen erkennen konnte. I like. Sobald ich das Gefühl habe zu verstehen, geht meine Angst weg, ich bin ein entspannterer Patient und kann vieles besser akzeptieren. Haben dann irgendwie auch alle was davon. 
Jemand, der sich in den letzten Jahren ganz besonders für Kommunikation über Gesundheitsbelange einsetzt ist Eckart von Hirschhausen. Seine Programme machen nicht nur gute Laune und Spaß, sie sind auch bestens dafür geeignet persönlich etwas mitzunehmen. 
Seine fünf Fragen für eine gute Behandlung findet ihr hier und ich finde sie einfach großartig. Ganz besonders die Letzte. 
Und, weil Humor immer super ist, war ich mit einer Freundin, die ebenfalls im Gesundheitswesen arbeitet, bei einem seiner Programme. Dabei ist dieses Bild entstanden. Ihr seht  – Humor kann ganz einfach sein. 
Habt einen gesunden Start in die Woche 
Liebste Grüße
Lotte

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