Montagsmotivation

Montagsmotivation Die weisen Worte der S.

Am Wochenende hatte ich nicht nur Seminar, ich ging auch mit meiner lieben und großartigen Freundin S. aus. Neben dem besten Pad Thai Hannovers, Keksteig aus der Tasse und fancy Eistee, kamen wir auf ein Thema, das mich nachhaltig beeindruckte. Ich habe ja lange in Leipzig gelebt und S. studierte in ähnlich aufregenden Städten. Als wir nach Hannover kamen, taten wir uns zunächst schwer.

Hannover ist eine angenehme Stadt, sie hat nette Restaurants, eine gute Infrastruktur, viel Wald und Grünfläche und unfassbar freundliche Bewohner. Gleichzeitig ist sie nicht so aufregend, sprühend und voller alternativer Ecken wie es Leipzig war. Jeder Hannoveraner wird jetzt voll Entsetzen auf Linden hinweisen. Glaubt mir, es ist nicht vergleichbar. Entsprechend brauchten S. und ich ein wenig länger, um Hannover zu schätzen.

Und dann erzählte S. was ihr geholfen hat und ich fand es so schön und auf so viele Lebenssituationen übertragbar, dass ich sie fragte, ob ich es für euch verwenden darf – und ein bisschen auch für mich. 😉

Hannover – die Stadt der Langeweile?

Hannover, so S., ist nicht so fancy und aufregend. Man muss nicht permanent dem nächsten großen Kultur – und/oder Kunstevent hinterher laufen. Es gibt nicht so viel, was man hier verpassen kann. Aber es ist unaufgeregt und die Menschen sind unfassbar zufrieden mit sich, ihrer Stadt und ihrem Leben. Und es macht ihnen recht wenig aus, wenn andere Menschen Hannover doof finden. Ziemlich unaufgeregt wird hier der erste grüne Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund gewählt.

Dann ist das eben so, machen wir keine riesige Sache draus, war halt der überzeugendste Kandidat für die Mehrheit. Viele große Firmen entscheiden sich ihren Sitz in Hannover zu haben, Rossmann kommt hierher, die Conti, Lavera. Aber auch das ist eben so und sehr schön. Im Gegensatz zu München muss hier aber niemand mit der Industrie angeben. Wozu auch? Hannoveraner – und ja, das ist eine Verallgemeinerung, die nicht für alle 100% gültig ist – suchen nicht immer das nächste große Ding. Es ist völlig okay einfach zufrieden zu sein.

In den Städten, in denen S. und ich lebten und studierten war es etwas anders. Permanent war alles aufregend und neu und jeder war auf dem Weg ständig dabei zu sein. Ankommen und durchatmen war etwas schwieriger. Es gab viele unendliche Glücksmomente. Dazu aber auch den Wunsch bloß nichts zu verpassen. Auch hier: Ich übertreibe, um das es anschaulicher zu machen.

Zufriedenheit vs. Glück – ein gerechter Kampf?

Ein bisschen ist das Ganze ein Sinnbild für unsere Vorstellung von Glück. Während es unfassbar toll ist immer großartige Events zu besuchen, sich schick zu machen und dem Glücksgefühl hinterher zu jagen, so ist es auch anstrengend und nicht von Dauer. Machen wir das nur noch, so fühlen wir uns leer und alles wird am Ende banal. Alles hält nur für eine kurze Zeit und verschwindet rasch.

Weniger aufregend ist es sein Leben nach den Werten zu orientieren, die uns wichtig sind. Sei es Familie, Freundschaft, ein als sinnvoll erlebter Beruf, Naturschutz oder was auch immer. Selbstverständlich ist das nicht immer aufregend. Mein Beruf bedeutet, dass ich jeden Morgen früh aufstehen muss, die Wochenende in Seminaren verbringe und echt wenig Zeit habe. Da ist nicht immer Zeit für Party. Tatsächlich ist dieses werteorientierte Glück, oder nennen wir es Zufriedenheit, langfristig verfügbar und beständiger. Es spiegelt meine Werte wieder und wie ich sein möchte. Tatsächlich haben schon die alten Griechen zwei verschiedene Begriffe für Glück gehabt:

Hedonistische Freude und Eudämonistisches Wohlbefinden. Während hedonistische Freude kurzfristig ist und auf direkte Bedürfnisbefriedigung abzielt, ist eudämonistisches Wohlbefinden etwas ganz anderes.

Ein Hoch auf das Wohlbefinden

Psychisches Wohlbefinden besteht laut Ryff (1989) aus Selbstakzeptanz, Persönlichkeitsentwicklung, Beziehungen zu anderen, Autonomie, Alltagsbewältigung und Lebenszielen. Das klingt insgesamt etwas weniger spektakulär. Im Gegenteil, es klingt tatsächlich eher nach Arbeit. Und dennoch sind das die Faktoren, die uns langfristig zufrieden machen außerdem wirkt es gesundheitsfördernd.

Und was soll das heißen? Sollen wir jetzt alle nach Hannover ziehen, zufrieden sein und nie mehr hedonistisch leben? Natürlich nicht! Hedonistisches Glück ist hervorragend, es macht großen Spaß und ist unfassbar großartig. Unser ganzes Leben nur danach ausrichten könnte aber nicht nur Probleme bringen, es kann auch dazu führen, dass wir langfristig unzufrieden sind. Dementsprechend ist es so wichtig sich langfristig damit auseinander zu setzen wie unsere Beziehungen aussehen, was unsere Lebensziele sind, wie wir den Alltag bewältigen und was wir von uns so halten. Nicht immer einfach, aber erfüllend.

Ich wünsche euch eine wunderbare Woche
Liebste Grüße
Lotte

Für alle, die nachlesen wollen:

https://www.sinnforschung.org
Die Seite ist von der Innsbrucker Professorin Prof. Dr. Tatjana Schnell, die sich im Schwerpunkt mit Existenzieller Psychologie, Persönlichkeits- und Differentieller Psychologie und Empirische Sinnforschung beschäftigt. Besonders schön fand ich diesen Artikel.

Den Artikel zum Modell von Carolyn Ryff (1989) findet ihr hier als PDF. Für diejenigen, die nicht so gerne wissenschaftliche Studien lesen ist der englischsprachige Artikel bei Wikipedia eine ganz gute Einführung. Er behandelt das 6 Faktoren Modell psychischen Wohlbefindens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.