Montagsmotivation

Kreativität in Zeiten von Corona eine gastliche Montagsmotivation

Nun denn, die heutige Montagsmotivation stammt nicht aus meiner Feder, sondern aus der meines Partners. Das ist insofern nicht nur deswegen etwas besonders, weil er sich sonst nicht auf sozialen Medien tummelt, sondern auch, weil er unfassbar weise und einfühlsam ist und ein Talent dafür besitzt, die Dinge in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert davon. Übrigens schrieb er vor fast genau 3 Jahren schon einmal einen Beitrag hier. Damals war er noch nicht mein Partner und es dauerte noch ein halbes Jahr bis sich das änderte. Großartig war er damals aber auch schon 😉 Hier könnt ihr seinen ersten Text lesen.

Paradoxerweise hatte die Krise, in der wir uns derzeit befinden, erstmal einen entlastenden Effekt auf mich. Auf einmal war ich befreit von vielen zeitlichen Verpflichtungen, die vorher meinen Alltag dominiert hatten. Es waren eigentlich angenehme Sachen, Mannschaftssport, Treffen mit Freunden und so, aber am Ende doch (zumindest gefühlt) auch Verpflichtungen. Auf einmal ging das nicht mehr. Ich hatte das Dekret von außen, so wenig wie möglich die Wohnung zu verlassen. Für viele ist das verständlicherweise eine belastende Vorstellung, für mich war es quasi paradiesisch.

Auf einmal hatte ich die Zeit, so vielen Dingen nachzugehen, die ich immer aufgeschoben hatte. Einerseits Schreibkram erledigen, um endlich eine Weiterbildung abzuschließen, andererseits mich vielleicht therapeutisch belesen, vielleicht beginnen eine Sprache oder Klavierspielen zu lernen, vielleicht mich endlich schriftstellerisch zu betätigen. Aber auch erholsame Zerstreuung sollte nicht zu kurz kommen. Damit fing ich erstmal an. Endlich wieder Videospiele spielen, endlich in Ruhe Filme und Serien schauen.

Also spielte ich Videospiele. Dann sah ich Filme und Serien. Dann spielte ich wieder Videospiele. Dann sah ich wieder Filme und Serien. So vergingen die Tage. Es war großartig.

Und trotzdem wurde ich mit den Tagen immer unzufriedener. Unzufriedener mit mir selbst. Ich hatte doch so viel Zeit. Trotzdem kam ich mit dem Schreibkram nicht voran. Trotzdem las ich nicht. Trotzdem lernte ich nichts. Trotzdem schrieb ich nichts. Dabei hatte ich doch so viel Zeit.

Letzte Woche erzählte mir Lotte dann beim Abendessen, dass sie deprimiert war, und zwar genau wegen des Gefühls von Unproduktivität, welches mich auch umtrieb. Doch bei ihr von außen betrachtet, konnte ich es anders sehen. Ja, wir haben mehr freie Zeit, doch wir haben keinen Urlaub. Der Normalzustand ist ja, dass wir arbeiten und bestenfalls den Feierabend und die Wochenenden für Hobbies oder Zeitvertreib nutzen, um uns emotional wieder zu regenerieren und dann wieder zu arbeiten. Im Urlaub können wir uns dann intensiver mit den Hobbies oder etwas Neuem beschäftigen.

Lotte und ich haben aber keinen Urlaub. Viel schlimmer, wir haben noch nicht mal den Normalzustand. Wir haben Krise. Das heißt, wir haben die energiekostende Arbeit, aber die Erholung fällt weg. Im Feierabend und am Wochenende sind wir angespannt, unruhig, verunsichert. Womit wir die Zeit vor allem verbringen, ist Ablenkung von der Ungewissheit. Wir haben Krise. Ist das eine Situation, in der man von sich Entwicklung, Fortschritt, Leistung erwarten kann? Oder gilt es nicht viel mehr, nachsichtig mit sich zu sein, wenn man neben der Arbeit unproduktiv ist? Schließlich gilt es erstmal, eine Krise zu überstehen. Ist das nicht Leistung genug?

Als ich es so sehen konnte, wurde mir leichter ums Herz. Seitdem erwarte ich nichts mehr von mir, nur noch knallharte Entspannung und sinnfreie Zerstreuung. Gleich, wenn ich diese Zeilen zu Ende geschrieben habe, werde ich wieder Videospiele spielen. Wie davor auch schon. Oder den Fernseher anmachen. Heute werde ich nichts mehr erreichen und morgen vermutlich auch nicht. Obwohl, ich überlege, mich morgen mal versuchsweise schriftstellerisch zu betätigen. Irgendwie habe ich Lust dazu.

Ich hoffe der heutige Gastbeitrag hat euch gefallen
Liebste Grüße und einen wunderbaren Start in die Woche

Lotte

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