Montagsmotivation

In guten wie in schlechten Zeiten – Woran merke ich wie es mir geht?

Vor Kurzem habe ich mich mit einer Freundin unterhalten. Irgendwann in unserem Gespräch sagte sie den folgenden Satz zu mir: “Es ist total wichtig zu wissen, woran du erkennst wie es dir gerade geht” Und zack, damit hatte sie mich umgehauen. In guten wie in schlechten Zeiten. Wir verbringen unser Leben mit uns selbst. Da ist es doch sinnvoll die guten und schlechten Zeiten zu erkennen, oder?

Denn je länger ich darüber nachdachte, desto großartiger fand ich diesen Satz. Wie unfassbar wichtig ist es bitte zu wissen, wie es mir gerade geht und es auch an bestimmten Dingen erkennen zu können.
In der Psychotherapie sprechen wir von Frühwarnzeichen, wenn eine Erkrankung zurück kehrt. Müdigkeit, Erschöpfung, Lustlosigkeit – you name it.

Warum bitte damit bis zu einer Psychotherapie warten? Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von Psychotherapie, aber die Wartezeiten sind lang. Und warum nicht auch Prävention betreiben?

Das schöne an unserem Gespräch war, dass es gar nicht darum ging zu erkennen, wann es uns schlecht geht, sondern auch zu erkennen, wann es uns gut geht.

Ein Beispiel? Vor kurzem bekam ich eine Nachricht, die mich noch vor 2 Monaten total erschüttert hätte, ich hätte gedacht, dass ich eine völlige Versagerin bin und nichts kann. Als ich diese Nachricht vor zwei Wochen bekam, konnte ich sagen “Oh, wie ärgerlich. Vermutlich liegt das gar nicht an mir sondern an den folgenden Gründen” Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich recht hatte.

In guten Zeiten

Anderes Beispiel? Okay, hier sind 3 Dinge, an denen ich merke, dass es mir gerade gut geht.

  1. Ich kann, wenn es mir gut geht die Sätze meines inneren Kritikers erkennen und benennen. Ich bekomme die immer noch um die Ohren gehauen, aber ich gehe völlig anders damit um. Ich sage mir dann: Ach so, das schon wieder. Ja, diesen selbstkritischen Anteil kenne ich. Der erzählt mir immer dasselbe.
    Und dann mache ich weiter. Soll der doch quatschen.
  2. Ich kann mich in andere hineinversetzen und interessiere mich wieder richtig für ihre Geschichten. Ich werde neugierig auf die Menschen, höre gerne zu und stelle Fragen. Macht insgesamt mehr Spaß.
  3. Ich bin innerlich gelassener. Das merke ich an verschiedenen Dingen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zum Beispiel habe ich schlecht geschlafen. Am Mittwoch will ich meine Doktorarbeit einreichen und in meinem Kopf ratterten Formalien und mögliche Fehler. Und dann, mitten in diesem Prozess, habe ich mir gesagt: Okay, du bist nervös, weil du einreichen möchtest. Eine schlaflose Nacht ist völlig in Ordnung und die Aufregung nachvollziehbar. Du arbeitest schon so lange an deiner Dissertation, da ist diese eine Nacht auch drin.
    Danach habe ich ein Buch gelesen und bin eingeschlafen. No big deal. Dann ist es eben so, dass ich einmal nicht so gut schlafe. Kein Grund auszuflippen. Die Sache mit der schlechten Nachricht von Oben passt auch ganz gut hier rein. Nicht ausflippen – auch nicht innerlich – wenn die Dinge schief laufen ist für mich ein sicheres Zeichen, dass es mir gerade gut geht.

In schlechten Zeiten

Woran erkenne ich denn nun aber, dass ich auf mich aufpassen muss? Nun ja, das ist natürlich auch, wenn die oben beschriebenen Dinge nicht mehr da sind. Aber natürlich gibt es auch eigene kleine Zeichen. Ich ziehe beispielsweise immer die Schultern hoch, wenn ich angespannt bin und bekomme Nackenschmerzen oder ich presse meine Zunge so fest gegen meinen Gaumen, dass ich durch das Druckgefühl Kopfschmerzen bekomme.

Das sind Kleinigkeiten, die vielleicht erst einmal gar nicht besonders wirken. Aber um ehrlich zu sein macht es einen enormen Unterschied zu erkennen, wie es mir gerade eigentlich geht.

Denn sobald ich meine Frühwarnzeichen erkenne, kann ich handeln. Ich kann mich entscheiden die Schultern bewusst sinken zu lassen, in mich zu gehen und zu überlegen, was gerade eigentlich bei mir los ist.

Ich kann mich darüber freuen, dass ich es gerade hervorragend schaffe gut für mich da zu sein und mir überlegen, was das möglich macht. Dadurch kann ich für schwierige Zeiten auf meinen Koffer an guten Ideen zurück greifen und erkenne, wenn ich mich aus einem Loch heraus gearbeitet habe. Das ist Gold wert.

Dass es mir gut geht heißt ja nicht, dass ich niemals traurig bin oder bestimmte Gedanken nicht in meinen Kopf kommen, es geht vielmehr um den gelassenen und freundlichen Umgang mit sich selbst und diesen Gedanken. Meine schlaflose Nacht ist für mich ein gutes Beispiel. Ich konnte sie einfach anders bewerten, ohne in Panik zu verfallen und zu überlegen wie furchtbar alles gerade ist. Das hat übrigens dann auch final beim einschlafen geholfen.

Wie ist es bei euch? Kennt ihr eure kleinen Zeichen in guten wie in schlechten Zeiten?

Habt einen wundervollen Start in die Woche
Lotte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.