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Fragen Sie einen Arzt und zeigen Sie Mitgefühl

In den letzten Wochen war ich – welch eine Ironie – krankheitsbedingt abwesend. In dieser Zeit ist eine ganze Menge auf der Welt geschehen. Am meisten sichtbar war und ist die Verbreitung von Covid 19 auf der Welt. Damit einher gingen und gehen Hamsterkäufe, diverse Blog- und Instagrambeiträge und jede Menge gefährliches Halbwissen.

Von “Das ist alles halb so wild” bis zu “Wir werden alle sterben” geistert eine ganze Menge durch das Netz. Und weil das Netz eben die Eigenschaft hat ungefiltert zu sein, kommt dabei auch einiges an Kuriositäten zusammen.

Gefährliches Halbwissen im Gesundheitswesen richtet mit hübscher Regelmäßigkeit Schaden an. Das kenne ich insbesondere in meinem Fachgebiet. Aus diesem Grund finde ich es erschreckend bei einem derart wichtigen Thema wie einer weltweiten Pandemie lieber auf das eigene Gefühl oder den Beitrag eines Fashionbloggers zu hören, als auf die Vorgaben von Ärzten, die tagtäglich mit nichts anderem zu tun haben als sich mit Krankheiten und deren Verbreitung auseinander zu setzen.

Deswegen mein Aufruf an euch liebe Leser. Informiert euch, aber mit Bedacht und einer guten Auswahl. Nicht jede Meinung ist in diesem Zusammenhang hilfreich, nicht jeder Kommentar unter Facebook zielführend. Tatsächlich gibt es eine ganze Menge sachlicher Informationen, die gut und verständlich und für jedermann zugänglich sind. Einige Beispiele wären:

Die Seite des Robert Koch Instituts: hier ist das FAQ.
Die Seite der BZgA: hier entlang.

Ein für mich besonders hilfreicher Zugang zu Informationen war und ist außerdem der Podcast “Corona Update” vom NDR mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten. Der hat nicht nur unfassbar viel Ahnung und Fachwissen – schließlich ist sein Fachgebiet die Virologie und er hat den ersten Nachweistest für das derzeitig auftretende Coronavirus entwickelt – sondern hat gleichzeitig die Gabe Situationen verständlich und sachlich zu erklären. Eine weitere großartige Eigenschaft ist seine Fähigkeit zu sagen: “Das können wir derzeit noch nicht wissen”, “Es gibt nicht genügend Zahlen dazu” oder “Die Informationslage hat sich geändert”.

Genau diese Aussagen sind tatsächlich der Indikator dafür, dass jemand seriöse Forschung betreibt. Menschen, die sich derzeit allwissend präsentieren, sind genau die Informationsquelle, die es zu vermeiden gilt. Ein neuartiges Virus hat zur Folge, dass wir nicht alles wissen und vorhersehen können. Der Podcast kommt von Montag bis Freitag heraus, geht eine halbe Stunde und fasst den aktuellen Stand gut zusammen ohne Panik zu schüren. Zum Podcast einmal hier entlang.

Darüber hinaus: Zeigt Mitgefühl und Besonnenheit. Natürlich macht eine unkontrollierbare Situation Angst und Sorge. Das ist okay, sehr menschlich und nichts wofür sich irgendjemand zu schämen braucht. Es ergibt sehr viel Sinn sich an die Vorgaben zu halten, nicht auszugehen, sich gründlich die Hände zu waschen und Abstand zu halten. Das zeigt Mitmenschlichkeit, denn wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung für jene, deren Immunsystem nicht gut funktioniert oder die durch Vorerkrankungen besonders Schutz benötigen.

Unfassbare Mengen von Toilettenpapier in der eigenen Wohnung zu bunkern, Nudelregale leer zu kaufen und den Weltuntergang zu beschwören ist hingegen weniger hilfreich. Anstatt leere Supermarktregale anzustarren hier einige Vorschläge, die hilfreich sind:

Haltet euch an die Empfehlungen, die es von offizieller Seite gibt. Muss ich nicht wiederholen, die sind auf den oben verlinkten Seiten ausführlich beschrieben.

Ruft bei euren Eltern/Großeltern an. Das ist nämlich wahrscheinlich die Risikogruppe, die besonderen Schutz bedarf. Wenn ihr in der Nähe wohnt, dann bietet an für sie einkaufen zu gehen. Wenn nicht, dann lindert die Isolation durch Gespräche am Telefon oder via Skype. Einsamkeit ist ein böses Gift für die Psyche. Wir leben aber in einer Zeit in der körperliche Präsens nicht zwingend erforderlich ist um in Kontakt zu kommen.

Bietet Freunden und Bekannten, die im Gesundheitswesen tätig sind Hilfe an. Wahrscheinlich wird es dort demnächst viele Überstunden und Hektik geben. Warum nicht für sie da sein? Fragt nach “Wie kann ich dir helfen?” Diese Menschen leisten jeden Tag unglaubliches für die Gesellschaft. Nicht nur in Zeiten von Corona! Vielleicht können wir ja etwas zurück geben.

Schaut in die Nachbarschaft. Wem könnt ihr helfen? Gibt es jemanden, der dringend Unterstützung braucht?

Don’t Panic. Douglas Adams hat das schon ganz richtig erkannt. Falls ihr schon einmal eine Panikattacke hattet (gar nicht so selten in der Bevölkerung wie man denkt), dann wisst ihr: Panik lähmt jegliche Handlungsfähigkeit. Das ist gerade bei einem Marathon wie der aktuellen Situation nicht hilfreich. Angst ist völlig menschlich und okay, da wir die Situation nicht kennen und einschätzen können. Alles was Panik schürt lähmt am Ende jedoch nur und führt dazu, dass wir unsolidarisch werden. Also wählt mit Bedacht eure Informationsquellen, haltet euch fern von “Wir werden alle sterben!” Artikeln und bleibt so gut es geht besonnen.

JA, das Leben ist unkontrollierbar. Das ist es übrigens immer und in jedem einzelnen Moment, egal ob wir eine Pandemie haben oder nicht. Hier gibt es gerade zusätzlich noch viel, was unsere Ängste groß machen kann. Deswegen ist es so wichtig sich dort zu informieren, wo die Quellen in der Wissenschaft liegen und nicht dort, wo es um Schlagzeilen geht. Es geht darum diejenigen zu schützen, die großen Schutz benötigen. Nicht darum, dass wir alle wahnsinnig gefährdet sind. Auch das sollten wir uns immer wieder klar machen. Es geht um Empathie, Solidarität und Humanismus. Und das können wir alle leisten.

Habt einen guten Start in die Woche
Lotte

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