Montagsmotivation

Ein Satz, der 99% Ärger erspart

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich kann mich ziemlich gut ärgern. Derzeit insbesondere dann, wenn Sicherheitsabstände ignoriert werden. Da kann ich ziemlich garstig werden. Ärger ist eine gute und wichtige Emotion und ich halte wenig davon ihn zu verdammen und sich seiner zu schämen (ist möglicherweise berufsbedingt). Ärgern wir uns, so ist es meistens, wenn unsere Grenzen nicht eingehalten werden. Dies wahrzunehmen und sich darum zu kümmern ist essentiell und sollte nichts sein wofür wir uns schämen. Dennoch, sich 24 Stunden am Tag über Menschen aufregen und sich in die Ärgerspirale fallen lassen ist weniger hilfreich.

Viel hilfreicher ist es den Ärger zu erlauben, wahrzunehmen und festzustellen welche Grenze da gerade verletzt wird und wie ich dies künftig ändern kann. Dabei hilft mir eine Miniintervention besonders gut, die mir augenblicklich Kontrolle über die Situation zurück gibt. Es ist der Satz: “Der muss doch…” ergänzt durch das, was mich verärgert. Beispiel gefällig?

“Der muss doch auf den Sicherheitsabstand achten”
“Der muss doch meine Arbeit wertschätzen”
“Der muss doch seinen Kram wegräumen”

In dem Moment, in dem ich das, worüber ich mich ärgere, in den Satz “Der muss doch” packe, wird augenblicklich eines klar: Ich verwechsele hier die Verantwortungen. Mein Gegenüber muss nämlich erst einmal gar nichts. Selbstverständlich gibt es soziale Normen und Regeln und auch Gesetze. Daran halten muss sich aber im engeren Sinne niemand. Es hat Konsequenzen, wenn man es nicht tut. Gezwungen sind wir aber nicht. Zumindest stand bisher noch niemand mit einer Waffe hinter mir und hat mich gezwungen sozial erwünscht zu handeln.

Und genau das ist ein absoluter Game Changer. Es ist nämlich nicht so, dass der andere muss. Er hat jedes Recht sich so zu verhalten wie er es will. Seine Konsequenzen sind nicht meine Baustelle. Wie ich persönlich damit umgehe allerdings schon. Ich kann meine Konsequenzen daraus ziehen und entscheiden. Wie kann ich auf meine Grenze achten? Das macht mich handlungsfähig ohne dass ich mich den ganzen Tag ärgern muss. Ich kann den Ärger als wichtiges Signal wahrnehmen und schauen wie ich mich um mich selbst gut kümmern kann anstelle Wunder beim anderen zu erwarten.

Dafür, dass sich unser Gegenüber anders verhält gibt es nämlich keinen Garanten. Niemals. Ich bin aber frei mich umzudrehen und zu sagen. “Entschuldigen Sie, ich fühle mich unwohl. Könnten Sie bitte den Sicherheitsabstand einhalten?” Große Kunst. Schaffe ich nicht. Also schaue ich, dass ich meine Umgebung entsprechend gestalte und die vorbestellten Lebensmittel im Supermarkt abhole ohne durch den Laden zu drängeln. Das andere ist nämlich eine sichere Ärgerquelle für mich. Es ist meine Verantwortung wie ich mich verhalte und wie ich mit meinem Ärger umgehe. Es ist nicht meine Verantwortung wie sich jemand anderes verhält.

Oder um es mit den Worten meines Vaters auszudrücken:
Ich kann für meine eigene Blödheit etwas – nicht für die Blödheit anderer.

Habt einen wundervollen Start in die Woche
Lotte, die sich heute auf dem Fahrrad in genau diesem Metier trainieren wird

Ein Kommentar

  • Hans

    Mir fallen spontan zwei schöne Zitate ein:
    1. Konrad Adenauer: ” et lohn sich nich, sich övver de Menschen zu ärjere, mer han jeng annere.
    Für die bedauernswerten Nicht – Rheinländer: “Es lohnt sich nicht, sich über die Menschen zu ärgern, wir haben keine anderen.
    2. Öcher (Aachener) Volksmund: “Jecke moß de loofe losse, der Pohl, wo se für renne es all do!”
    “Verrückte mußt du laufen lassen, der Pfahl, vor den sie rennen, ist schon errichtet!”
    Zwar intellektuell nicht sehr hoch stehend aber zutreffen und äußerst entspannend
    Hansi

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