Montagsmotivation

Die Süße im Offline Leben

Ist es tatsächlich 4 Wochen her seit ich den letzten Blogeintrag geschrieben habe? Das Offline Leben hatte mich voll im Griff: Umzug, Job, Ausbildung, Doktorarbeit… In den letzten 4 Wochen gab es kein freies Wochenende für mich. Offline Leben here we go. Da war auch eine ganze Menge los.

Doch nun sind alle Kisten entpackt, das letzte Möbelstück wird demnächst geliefert und die Wohnung ist zu einer gemeinsamen Bären/Fuchshöhle gewachsen. Sehr kuschelig. Kenne jetzt auch den schnellsten Weg ins Grüne. Das ist tatsächlich sehr hilfreich.

Was passt jetzt eigentlich in den neuen Blogpost? Die Süße im Offline Leben. Ja, die gibt es. Ich merke tatsächlich:Je weniger ich mich mit sozialen Medien beschäftige, desto innerlich ruhiger werde ich. Ich bin ausgeglichener, entspannter und viel mehr bei mir selbst, je weniger ich auf diversen Social Media Apps rumlungere.

Warum ist das eigentlich so? Die wissenschaftliche Debatte ist diesbezüglich wirklich spannend und reicht von “Soziale Medien sind das absolute Hexenwerk” bis hin zu “Alles wundervoll die Welt ist rosa”. Das sind natürlich zwei Extreme, die sich gegenüber stehen. Wer will wird für jede der beiden Seiten Pro und Kontra finden. Gerne auch im Netz. Gar kein Problem.

Dabei vergessen wir jedoch eine ganz kleine Kleinigkeit, die ich ziemlich wichtig finde. Es geht dabei nicht immer nur um die Meinung anderer, sondern auch ein bisschen um Selbstbeobachtung und Fürsorge.

Ich merke zum Beispiel: Verbringe ich viel Zeit auf sozialen Medien, fange ich ganz automatisch an mich zu vergleichen. Meinen Körper, die Events in meinem Leben, mein Frühstück, meine nicht immer gesunde Lebensweise… All das kommt plötzlich in einen Topf mit wunderschönen Urlaubsbildern, freien Momenten und Perfektion. Ziemlich unfair, wenn ich darüber nachdenke, wie ich mein Leben gestalten kann.

Die Süße im Offline Leben besteht für mich tatsächlich darin mich zu erden, nicht die ganze Zeit über zu vergleichen ob ich im optimalen healthy lifestyle bin, mein Partner auch wirklich so romantisch ist wie andere, ich immer so toll aussehe, wie die Damen online und genug Konfetti durch mein Leben fliegt. Stattdessen werfe ich selbst mit Konfetti, freue mich über einen Döner mit einer Freundin zum Abendessen und trage nach Feierabend Kuscheljogginghose und Dutt. Vive la révolution!

Darüber hinaus gibt es einige Punkte, die mich tatsächlich faktisch stören und die ich ingesamt kritisch finde. Drei davon habe ich mitgebracht.

  • Halo Effekt*: Der Halo Effekt bedeutet, dass eine positive Eigenschaft alles andere überstrahlt. So haben Throndike et al. im Ersten Weltkrieg etwa herausgefunden, dass Offiziere diejenigen Soldaten als kompetenter, zielgenauer im Schießen und auch besser im Harmonika spielen (WTF?!) einschätzten, die besser aussahen. Da dieser Effekt zu den kognitiven Verzerrungen zählt, ist es relativ wahrscheinlich, dass ihr ihn unbewusst auch im Alltag anwendet. Wir glauben Menschen sind kompetenter, wenn sie schön sind. Hallo soziale Medien – ihr könnt die Dinge gut verkaufen.
  • Akteur Beobachter Unterschiede: Wir sehen ein Bild. Losgelöst von jedem Kontext. Wir wissen nicht wann das Bild aufgenommen wurde, ob die Person in dem Moment des Postens glücklich oder unglücklich war, wie es ihr in diesem Augenblick geht. Wir beobachten ein Bild. Einen winzigen Ausschnitt. Wann habt ihr das letzte Mal ein Bild gepostet auf dem ihr euch hässlich fandet oder auf dem ihr wutverzerrt wart. Wir beobachten die Dinge ohne Kontext und bauen uns eine bunte Welt darum.
  • Wissenschaftliche Standards: Jeder Mensch hat eine Meinung. Das ist auch völlig in Ordnung so. Wird diese Meinung als Tatsache verkauft, dann wird es allerdings ziemlich schwierig. Sei es in politischen Diskussionen, die fernab jeglicher Faktenlage geführt werden, die Befragung vom Internet, wenn es um Krankheitssymptome geht oder der neuste Trend, der dich 17 Kilo in 4 Minuten verlieren lässt. Alles wird pseudowissenschaftlich erklärt, keine Quelle wird benannt und alles als neuer Stein der Weisen verkauft. Das mag ja alles stimmen – ein Korrektiv gibt es trotzdem selten. Dafür jede Menge Heilversprechungen

Nichtsdestotrotz: Ich bleibe ein Millennial und ich mag das Internet inklusive der sozialen Medien. Klar, sonst gäbe es keinen Blog. Trotzdem finde ich es unfassbar wichtig die Dinge anzuschauen und zu sehen, was mache ich da eigentlich den ganzen Tag in meiner Freizeit. Und manchmal ist es auch wirklich schön im Offline Leben…

Habt einen wundervollen Start in die Woche
Lotte

*Zu lesen gibt es dazu eine Menge. Wer sich ein bisschen mit Sozialpsychologie beschäftigt, kommt ganz schnell auf sogenannte kognitive Verzerrungen, die bei Social Media auch eine Rolle spielen. Literatur dazu findet ihr wie Sand am Meer. Zum Beispiel im Sozialpsychologie Lehrbuch von Stroebe und Kollegen. Das ist bei Springer erschienen und hat einen schönen Überblick zu allen möglichen Themen der Sozialpsychologie. Das wurde uns damals im Studium empfohlen (UNBEZAHLTE WERBUNG!)

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