Montagsmotivation,  Psycho-Lotte

Die Komplimentedusche – Ich wollte dir sagen…

Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal ein Kompliment verteilt?  Wer bei mir schon eine Weile mit liest weiß, ich bin ein Fan – seht ihr hier. Komplimente gebe ich unfassbar gerne. Sie machen Freude, zaubern ein Lächeln in gleich zwei Gesichter (das des Gebenden und das des Nehmenden) und sind einfach wundervoll. Komplimente sind ein bisschen wie heißer Kakao für die Seele, ein Ausdruck der Wertschätzung und sie machen fröhlich. Dementsprechend ist es sicher nicht verwunderlich, dass meine Therapiegruppen eine Übung beinhalten, die sich “Die Komplimentedusche” nennt.

Als Ausdruck der Wertschätzung, Hochacht und Dankbarkeit dafür, dass ein Gruppenmitglied bereit ist in der Gruppe an sich zu arbeiten, sich zu öffnen und sich mit der Therapie auseinander zu setzen, findet zum Abschluss für jemanden, der die Gruppe verlässt, eine Komplimentedusche statt. Denn ganz ehrlich, das ist wirklich viel, was Patienten auf sich nehmen. Sich in einer Gruppe zu öffnen ist nicht selbstverständlich und bei derartig persönlichen Themen, wie sie in der Therapie besprochen werden, erst recht nicht. Das ist harte Arbeit und Hochachtung wert. (Nur mal so am Rande, für alle, die glauben Therapie beinhaltet nur Zuckerschlecken – Nö.)

Aber zurück zum Thema: Was ist die Komplimentedusche? Eigentlich ist sie ganz einfach. Derjenige, der das Kompliment bekommt, setzt sich mit dem Rücken zur Gruppe. Das ist ganz gut, denn einigen Menschen fällt es schwer Komplimente anzunehmen oder ihnen ist die eigene Reaktion unangenehm. Der Rest der Gruppe hat die schöne und fantastische Aufgabe diesem Menschen der Reihe nach ein Kompliment zu machen. Das kann etwas ganz kleines sein “Ich mag dein Lächeln/dein Outfit/deine Schnürsenkel” oder etwas tiefgreifendes “Du bist mutig und gibst anderen Menschen Kraft, indem du mit deinem Beispiel voran gehst und dich den Problemen stellst”

Das klingt erst einmal gar nicht groß. Tatsächlich ist es aber verblüffend was für eine Wirkung diese Übung auf Gebende und Nehmende hat. Mit einem Mal gibt es eine ganz neue Atmosphäre im Raum, eine der Wertschätzung, Dankbarkeit und Zuwendung. Denn mit einem Mal wird sehr deutlich: Es gibt bei jedem Menschen etwas, das ich aus tiefster Seele wertschätzen kann. Und das macht tatsächlich auch etwas mit denjenigen, die das Kompliment verteilen

Vor einigen Tagen verließ ich eine Gruppe, in der ich 6 Monate die Vertretung der Therapie übernommen hatte. Diese Gruppe beschloss einhellig, dass es nun an der Zeit sei mir eine Komplimentedusche zu geben. Einen schöneren Abschied und eine größere Wertschätzung hätte es nicht geben können.

Falls ihr also in der Situation seid mit Gruppen zu arbeiten, dann ist die Komplimentedusche einfach wunderbar. Gar nicht als “Tool”, das kalt angewendet wird um “Das Eis zu brechen” und/oder “Sich beliebt zu machen”. Das ist berechnend und gar nicht unbedingt der Sinn dieser Übung. Vielmehr ist sie ein Ausdruck der Wertschätzung und Hochachtung und des gegenseitigen Begegnens auf Augenhöhe. Und, das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, nicht nur in Arbeitsgruppen anwendbar. Warum eigentlich nicht das nächste Mal im Freundeskreis eine Komplimentedusche machen? Ich kann mir vorstellen, das ändert einiges.

Habt einen guten Start in die Woche
Liebste Grüße

Lotte

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