Montagsmotivation

Corona Krise und psychische Gesundheit – Übungen für den Alltag

Mit der Verschärfung der Situation in Deutschland, gibt es immer mehr ein Unsicherheitserleben und eine Angst, die sich breit macht. Das spüre auch ich und viele meiner Freunde, die ebenfalls im Bereich des Gesundheitswesen und der Psychotherapie tätig sind. Die Situation ist für uns alle neu, auch für diejenigen, die sich um das psychische Wohlergehen anderer kümmern. Dementsprechend passiert gerade unfassbar viel bei uns und in unserem Berufsstand. Versorgungsmöglichkeiten werden neu entdeckt, Systeme geschaffen und Möglichkeiten entdeckt möglichst gut zu unterstützen.

Wie alles derzeit ist es aber auch ein Prozess, der neu gestaltet wird und der erst eine Routine entwickeln muss. Derzeit sind viele (vielleicht sogar alle?) Menschen verunsichert, was die Zukunft und die Gestaltung dieser angeht. Und es ist ganz selbstverständlich, dass eine derartige Situation, wie wir sie kollektiv erleben, unsicher macht und auch den Schlaf rauben kann.

Trotzdem ist es natürlich wichtig derzeit gut auf sich aufzupassen und die psychische Gesundheit zu hüten wie den kostbarsten aller Schätze. Und das geht – vielleicht etwas mühsamer als sonst, aber es geht.

Um euch ein wenig zu unterstützen, habe ich vor in den nächsten Wochen einige kleine Übungen zu posten, die euer psychisches Immunsystem stärken. Unsicherheit ist ein belastender Faktor, also gilt es jetzt gut auf sich aufzupassen.

Heute habe ich euch eine Übung mit dem klangvollen Namen 3×5 mitgebracht. Ich nutze sie bei Patienten, die oft sehr aufgeregt sind und nicht mehr im Moment. Wenn unsere Gedanken sich viel um Vergangenes oder Künftiges drehen, ist es schwer im Augenblick zu bleiben und dort zu handeln wo wir Kontrolle haben: Im Hier und Jetzt. Niemand von uns kann die Vergangenheit ändern oder in die Zukunft reisen. Deswegen ist es so wichtig dort zu fokussieren wo wir etwas tun können. In diesem Moment, in dieser Sekunde. Diese Übung hilft dabei. Sie holt zurück und zeigt was gerade geschieht.

3×5 ist unfassbar einfach, benötigt keinerlei Hilfsmittel und geht zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dafür müsst ihr nur irgendwo sitzen. Ob im Büro, auf der Couch oder alleine auf einer Waldlichtung ist völlig egal. Folgendes tut ihr dann:
Ihr beschreibt laut 5 Dinge, die ihr sehen könnt.
Zum Beispiel: Den grünen Samthocker, den Kleiderschrank, den kuscheligen Teppich vor mir, meine graue Jogginghose, meinen Bildschirm.
Danach 5 Dinge, die ihr hören könnt.
Zum Beispiel: Das Rauschen des Windes in den Bäumen draußen, das Klappern meiner Tastatur, meinen Atem, das Rascheln meiner Hose auf dem Samtsessel, eine Sirene draußen auf der Straße.
Und zum Schluss 5 Dinge, die ihr spüren könnt.
Zum Beispiel: Die Luft in meinen Nasenflügeln, wenn ich einatme, die Brille auf meiner Nase, den sanften Luftzug auf meinen Beinen, meine Zunge, wie sie leicht an meinen Gaumen drückt, meinen Herzschlag.

Was macht diese Übung? Sie “zwingt” euren Geist aus der Gedankenschleife hinaus und in die Welt hinein zu treten. Außerdem baut sie Kontakt zu euch, eurem Körper und eurer Umwelt auf. Sie ist ein kleiner Skill, der Gedankenschleifen unterbricht und eine kurze Pause schafft. Gerade das “5 Dinge spüren” ist gar nicht so einfach, denn es verlangt eine gewisse Konzentration auf euch. Dabei ist es wichtig dass ihr, wenn ihr sowieso gerade wildes Herzklopfen vor lauter Angst habt etwas anderes als das Herzklopfen zu fokussieren und stattdessen vielleicht einmal bewusst zu fühlen, wie sich die Unterlage anfühlt, auf der ihr gerade sitzt.

Natürlich ist die Übung kein “Allheilmittel” und sie erfordert den Willen sich einmal von den eigenen Gedankenschleifen zu verabschieden. Das kann schwer sein und muss auch nicht immer sofort gelingen. Sie ist aber durchaus hilfreich als kleine Unterbrechung im Alltag, gerade wenn wir mitten dabei sind die Situation als absolute Katastrophe zu sehen. Noch einmal, wir haben keinerlei Kontrolle darüber was früher einmal war, wie Menschen in unserer Umwelt agieren und reagieren und wie gut sich andere Menschen benehmen. Was wir kontrollieren können ist unser Umgang mit der Situation, das Einhalten von sozialen Grenzen, die Hygieneregeln und diesen einen Moment in dem wir existieren. Das ist schon eine ganze Menge.

Habt einen guten Start in den Tag und sagt mir gern was ihr euch an Input wünscht
Liebste Grüße

Lotte

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